20.4.2026

SPRIND CHALLENGE ZU KRITISCHEN METALLEN

SPRIND Innovationsmanager Patrick Rose spricht im Interview darüber, wo die USA deutsche Innovationspolitik kopiert

Eine Zusammenfassung des Gesprächs ist zuerst bei Table.Briefings (Research.Table) erschienen.

Mit der Tech Metal Transformation Challenge will die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND eine neue Recycling-Industrie aufbauen. Nun steigt die National Science Foundation mit ein. Ein Gespräch über Tempo, Technologie und transatlantische Zusammenarbeit.

Die SPRIND hat im Herbst 2025 eine internationale Challenge gestartet, um neue Verfahren zur Rückgewinnung und Weiterverwertung kritischer Metalle zu entwickeln. Parallel hat die US-amerikanische National Science Foundation (NSF) eine nahezu identische Challenge initiiert und Ende März ihre Gewinner gekürt. Im Dezember sollen beide Programme in Deutschland zusammengeführt werden.

SPRIND x NSF

HERR ROSE, LASSEN SIE UNS MIT DER GRUNDIDEE BEGINNEN: WAS STECKT HINTER DER TECH METAL TRANSFORMATION CHALLENGE?

PATRICK ROSE: Die Challenge ist aus einer ziemlich klaren Beobachtung entstanden: Unsere heutigen Recyclingprozesse für Metalle – insbesondere für seltene Erden – sind ineffizient. Viele wertvolle Materialien gehen verloren, werden verbrannt oder landen in der Umwelt. Gleichzeitig steigt der Bedarf enorm, etwa durch neue Batterietechnologien oder Rechenzentren. Unser Ansatz war deshalb: Können wir völlig neue, auch unkonventionelle Technologien entwickeln, um diese Metalle zurückzugewinnen?

WAS HEISST UNKONVENTIONELL IN DIESEM KONTEXT?

PR: Wir denken bewusst interdisziplinär. Ein Beispiel ist der Einsatz von Biotechnologie. Es gibt Bakterien, die Metalle aufnehmen und anreichern können. Diese Prozesse lassen sich inzwischen gezielt steuern. Kombiniert mit chemischen und materialwissenschaftlichen Ansätzen entstehen daraus völlig neue Möglichkeiten. Uns geht es nicht nur darum, Metalle zurückzugewinnen, sondern sie direkt weiterzuverarbeiten – etwa zu Nanopartikeln oder neuen Legierungen. Wir wollen keine energieaufwendigen Rückgewinnungsprozesse, sondern direkt nutzbare Materialien erzeugen.

UND DAS HAT OFFENBAR AUCH INTERNATIONAL AUFMERKSAMKEIT ERZEUGT. DIE NATIONAL SCIENCE FOUNDATION HAT EINE EIGENE CHALLENGE NACH DEUTSCHEM VORBILD GESTARTET.

PR: Ja, und das ist tatsächlich bemerkenswert. Die NSF hat sich verschiedene Programme weltweit angeschaut und sich entschieden, unser Modell im Prinzip eins zu eins zu übernehmen. Das passiert nicht oft – normalerweise adaptieren die USA solche Konzepte eher an ihr eigenes System.

WAS HAT DER NSF DARAN GEFALLEN?

PR: Vor allem drei Dinge: Geschwindigkeit, Umsetzungskraft und unser Fokus auf Ausgründungen. Wir bringen Teams dazu, innerhalb kurzer Zeit nicht nur Technologien zu entwickeln, sondern auch Unternehmen zu gründen. Diese Kombination aus Forschung und Marktorientierung war für die NSF neu und sehr attraktiv.

Patrick Rose, Innovationsmanager bei der SPRIND
Patrick Rose, Innovationsmanager bei der SPRIND

IST SO EINE CHALLENGE DENN ÜBERHAUPT EINS-ZU-EINS ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND DEN USA ÜBERTRAGBAR?

PR: Inhaltlich ja, aber strukturell mussten die USA einiges anpassen. Die NSF ist traditionell stark auf Grundlagenforschung fokussiert. Um unsere Geschwindigkeit zu erreichen, haben sie mit externen Strukturen gearbeitet und neue Vertragsmechanismen eingeführt. Das zeigt, wie groß das Interesse war, dieses Modell wirklich umzusetzen. Und auch, dass wir mit dem Instrumentenkasten der Sprind international ziemlich einzigartig aufgestellt sind.

DIE BEIDEN CHALLENGES LIEFEN PARALLEL. ZUKÜNFTIG SOLL ES EINE ENGERE ZUSAMMENARBEIT GEBEN. WIE SIEHT DIE KONKRET AUS?

PR: In den kommenden Monaten bringen wir die Teams aus beiden Programmen zusammen. Es wird gemeinsame Workshops, Mentoring und Austauschformate geben. Der Höhepunkt soll im Dezember in Deutschland stattfinden, wenn die Auswahl für die nächste Phase getroffen wird – dann gemeinsam.

WAS ERHOFFEN SIE SICH DAVON?

PR: Vor allem einen stärkeren Wissenstransfer. Schon jetzt sehen wir, dass Teams voneinander profitieren, sich ergänzen oder sogar zusammenschließen. Wenn wir das jetzt international skalieren, entsteht ein viel größeres Innovationsökosystem. Mehr Perspektiven, mehr Talent, mehr Ideen, mehr Geschwindigkeit.

WARUM TEILT MAN EIN OFFENSICHTLICH VIELVERSPRECHENDES MODELL, STATT ES EXKLUSIV ZU NUTZEN?

PR: Weil Innovation selten im Alleingang funktioniert. Unterschiedliche Kulturen und Herangehensweisen führen oft zu besseren Lösungen. Die USA bringen eine enorme Risikobereitschaft und Kapitalstärke mit, Europa dagegen Effizienz und Ingenieurskunst. Wenn man das kombiniert, haben beide Seiten mehr davon.

STICHWORT KAPITAL: WELCHES BUDGET STELLT DIE SPRIND FÜR DAS PROGRAMM ZUR VERFÜGUNG?

PR: SPRIND investiert rund 40 Millionen Euro über drei Jahre. Die NSF spiegelt das nahezu identisch. Wichtig ist aber nicht nur die Höhe, sondern die Struktur: Wir finanzieren schrittweise und reduzieren gleichzeitig die Anzahl der Teams. So entsteht Wettbewerb, aber auch Fokus. Gleichzeitig begleiten wir die Teams sehr eng – mit Mentoring, Netzwerken und Perspektiven für Anschlussfinanzierungen.

GIBT ES UNTER DER AKTUELLEN US-REGIERUNG EINSCHRÄNKUNGEN FÜR DIE ZUSAMMENARBEIT?

PR: Ja, die gibt es durchaus – allerdings betreffen sie weniger die inhaltliche Zusammenarbeit als vielmehr die Art und Weise, wie Themen kommuniziert werden. In den USA wird sehr genau darauf geachtet, welche Begriffe verwendet werden und wie Programme nach außen dargestellt werden. Begriffe wie Recycling oder Sustainability sind teilweise politisch sensibel, deshalb spricht man dort häufiger von Recovery oder betont stärker den wirtschaftlichen Nutzen.

HAT DAS KONKRETE AUSWIRKUNGEN AUF IHRE ARBEIT?

PR: Für uns operativ kaum. Die Zusammenarbeit auf Arbeitsebene funktioniert sehr gut. Man merkt schon, dass unsere amerikanischen Partner in ihrer Kommunikation vorsichtiger sind – gerade im Inland. Das betrifft vor allem Narrative und Außenwirkung. Wir haben in Europa größere Freiheiten in der Kommunikation und nutzen die auch. Am Ende wissen aber alle Beteiligten, worum es geht: kritische Rohstoffe sichern, neue Technologien entwickeln und wirtschaftliche Perspektiven schaffen.

IST DIESE TRANSATLANTISCHE ZUSAMMENARBEIT EINE BLAUPAUSE FÜR KOOPERATIONEN MIT ANDEREN LÄNDERN?

PR: Wir sind bereits mit weiteren Ländern im Gespräch – etwa in Europa und Asien. Wichtig ist aber, dass wir unseren Ansatz beibehalten: schnell, mutig, ergebnisorientiert. Wer mit uns arbeitet, muss diesen Spirit teilen. Wir wollen Technologien hervorbringen, die wirklich skalieren. Und wenn daraus Unternehmen entstehen, die langfristig den Markt verändern, dann hätten wir nicht nur ein Recyclingproblem gelöst, sondern einen neuen Industriezweig aufgebaut.

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