DIE SPRIND IST STAATLICH FINANZIERT UND GENIESST GLEICHZEITIG BESONDERE FREIHEITEN. WIE KANN MAN DIESE SONDERROLLE MIT BLICK AUF SOZIALE INNOVATIONEN NUTZEN?
Viele gute Lösungen scheitern nicht an der Idee, sondern am Markteintritt – besonders im Bildungs- oder Sozialbereich. Wir wollen diese Hürden überwinden. Als Teil einer Bundesagentur haben wir direkten Zugang zu Ministerien und können Innovationen gezielt platzieren. Gleichzeitig verstehen wir uns als Plattform für externe Ideen: Wir organisieren zudem Challenges, sprechen gezielt Start-ups an und mobilisieren die Innovationskraft außerhalb der öffentlichen Verwaltung.
SIE WOLLEN ALSO VOR ALLEM AUF EXTERNE IMPULSE SETZEN?
Absolut. Die besten Ideen für Innovationen kommen selten aus bereits bestehenden und etablierten Strukturen. Sie entstehen überall im Land – bei Start-ups, in der Zivilgesellschaft oder in der Forschung. Unsere Aufgabe ist es, diese Ideen zu finden, mit einer Finanzierung an den Start zu bringen und ihnen den Weg in die Praxis zu ebnen. Dazu gehört auch, erfolgreiche Modelle aus dem Ausland zu adaptieren. Im sozialen Bereich ist Kopieren
ausdrücklich erwünscht – es gibt keine klassischen Konkurrenz- oder IP-Logiken. Wenn etwas woanders gut funktioniert, sollten wir es übernehmen.
KÖNNEN SIE EIN BEISPIEL AUS DEM AUSLAND NENNEN, DAS IN DEUTSCHLAND MÖGLICHST SCHNELL KOPIERT WERDEN SOLLTE?
Ein gutes Beispiel sind digitale Beteiligungsmodelle, wie es sie in Taiwan gibt. Dort ist es gelungen, durch innovative Partizipationsformate das Vertrauen in staatliche Institutionen massiv zu steigern. Mit unserer Initiative Deutschland, was nervt? Deutschland, was geht?
wollen wir dieses nachgewiesenermaßen sehr erfolgreiche System hierherbringen und bekannt machen. Auch im Finanzierungsbereich schauen wir ins Ausland. In Großbritannien gibt es Modelle, bei denen staatliche Unterstützung direkt an den gesellschaftlichen Impact einer sozialen Sprunginnovationen gekoppelt ist – etwa daran, wie viele Menschen durch ein Projekt in Arbeit kommen. Das schafft neue Anreize und hat ein starkes Ökosystem hervorgebracht.
WELCHE THEMEN WOLLEN SIE GLEICH ZU BEGINN SONST NOCH ANGEHEN?
Bildung ist ein zentrales Feld – mit dem Anspruch, international zur Spitze zu gehören. Daneben beschäftigen wir uns intensiv mit dem Sozialstaat, Altersvorsorge, finanzieller Bildung und Staatsmodernisierung. Ein weiteres Beispiel ist der Bereich soziale Medien: Wir prüfen gerade ein Projekt, das an einem wettbewerbsfähigen Algorithmus arbeitet, der Polarisierung reduziert und stattdessen Verbindungen stärkt. Das wäre ein klassischer Moonshot – der im Erfolgsfall enorme positive gesellschaftliche Auswirkungen hätte.
NACH SOLCHEN LÖSUNGEN WIRD ABER AUCH IN DER KLASSISCHEN PROJEKTFÖRDERUNG GESUCHT. WAS UNTERSCHEIDET IHRE ARBEIT VON HERKÖMMLICHEN FÖRDERPROGRAMMEN?
Wir haben deutlich mehr Freiheit und können schneller agieren. Vor allem aber verfolgen wir einen anderen Ansatz: Wir liefern keine langfristige Finanzierung für Projekte, sondern denken immer in Meilensteinen und Systemen. Das heißt: Wir fragen nicht nur, ob eine Idee gut ist, sondern auch, wie sie in die Praxis kommt – und welche gesamtgesellschaftliche Wirkung sie entfaltet. Dafür nutzen wir verschiedene Instrumente, von ergebnisabhängiger Finanzierung bis hin zu strategischen Partnerschaften.